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Internationale Vernetzung der Vereine

Mündliche Frage von Herrn Björn Klinkenberg an Minister Freches

Zur internationalen Vernetzung und ihre konkrete Wirkung auf die lokale Vereinsarbeit
Regierungskontrollsitzung des Ausschusses II vom 14.04.2026

Sie haben kürzlich im Zusammenhang mit Ihrer Teilnahme an der GMPLM 26 in Köln betont, wie wichtig internationaler Austausch, inspirierende Begegnungen und neue Impulse für die Zukunft unserer Vereine sind.

Sie betonen darin, dass gerade für unsere Region der grenzüberschreitende Austausch von großer Bedeutung sei und dass Sport und Kultur Menschen verbinden sowie nachhaltige Gemeinschaft schaffen.
Diese Einschätzung ist grundsätzlich richtig – gerade für eine kleine Region wie die Deutsch-sprachige Gemeinschaft, die stark von Offenheit und Vernetzung lebt.

Gleichzeitig erleben wir vor Ort jedoch eine andere Realität: Viele Vereine kämpfen mit steigenden Kosten, fehlender Infrastruktur, wachsendem Druck auf das Ehrenamt und begrenzten finanziellen Spielräumen in den Gemeinden. In diesem Spannungsfeld stellt sich zunehmend die Frage, wie solche internationalen Impulse konkret bei den Akteuren vor Ort ankommen.

Vor diesem Hintergrund frage ich Sie:

  • Welche konkreten Maßnahmen werden aus diesen internationalen Impulsen tatsächlich für die Vereine in der Deutschsprachigen Gemeinschaft abgeleitet?
  • Wie vermeiden Sie, dass internationale Präsenz zwar sichtbar ist, unsere Vereine aber gleichzeitig weiterhin mit ihren ganz konkreten Herausforderungen im Alltag weitgehend allein gelassen werden?
  • Welche konkrete Unterstützung plant die Regierung, um diesen internationalen Austausch nachhaltig für unsere lokale Vereinsarbeit nutzbar zu machen?

Antwort des Ministers:

Herr Kollege Klinkenberg, ich danke Ihnen für diese Frage – und ich möchte sie mit der Substanz beantworten, die sie verdient. Zunächst zur Konferenz selbst: Die GMPLN Conference – auch bekannt als Gameplan Conference – ist kein beliebiges Branchentreffen. Sie bringt in Köln rund 1.200 Entscheiderinnen und Entscheider aus dem professionellen Sport zusammen: Führungskräfte der UEFA, der Formel 1, von Borussia Dortmund, vom DFB, von internationalen Medienhäusern und Sportagenturen. Die Themen reichen von Digitalisierung und dem Einsatz von KI über Vereinsentwicklung bis hin zur Frage, wie Sport und Gemeinschaft auch in Zukunft zusammenwachsen können. Und ich möchte eine Tatsache hervorheben, die in Ihrer Fragestellung unerwähnt bleibt: Diese Konferenz wurde von einer Persönlichkeit aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft initiiert, die international bestens vernetzt ist – und bei der zahlreiche Ostbelgierinnen und Ostbelgier vor Ort waren. Das ist kein Zufall. Das ist ein strategischer Standortvorteil, den wir bewusst nutzen.
Zur ersten Frage: Die Deutschsprachige Gemeinschaft ist aufgrund ihrer Kleinheit strukturell auf internationale Kooperation angewiesen. Gerade deshalb ist es unsere Aufgabe, externe Impulse gezielt aufzunehmen und systematisch in konkrete Unterstützungsangebote für unsere Vereine zu übersetzen. Lassen Sie mich das an drei konkreten Themen festmachen, die auf der Konferenz besonders präsent waren.

  1. KI im Sport: Eine zentrale Keynote beleuchtete die Chancen und Gefahren, die Künstliche Intelligenz für den Sport bringt. Das sind Entwicklungen, die mittel- bis kurzfristig auch unsere Vereinslandschaft betreffen werden – und auf die wir früh-zeitig reagieren müssen.
  2. Trendsportarten: Ich habe vor Ort “Pickleball” kennengelernt – in Nordamerika ex-plosionsartig wachsend, in Europa zunehmend präsent. Als kleine Gemeinschaft können wir es uns nicht leisten, solche Entwicklungen erst verspätet wahrzuneh-men.
  3. Frauensport: Die Thematik rund um den Frauensport war eines der meistdiskutier-ten Themen. Internationale Erfahrungen zeigen, dass Frauensport mit der richtigen Strategie enormes Wachstumspotenzial hat – in Sichtbarkeit, in Mitgliederzahlen und in der Sponsoringfähigkeit. Ich denke dabei auch konkret an bestehende Struk-turen in Ostbelgien, bei denen gezielte Weiterentwicklung sinnvoll und möglich ist.

Es war mein erster Besuch bei der Konferenz – und wahrscheinlich nicht der letzte. Wir haben mit den Organisatoren vereinbart, künftig gezielt auch belgische Partner stärker einzubinden. Auch hier werden wir unserer Brückenfunktion zwischen Deutschland und Belgien gerecht. Besonders erfreulich war zudem, dass wir vor Ort gute Gespräche am Rande mit dem BRF, dem GrenzEcho, Verantwortlichen des Spa Grand Prix und der AS Eupen führen konnten, die ebenfalls vertreten waren. Dabei ging es unter anderem auch um die Schnittstellen zwischen Sport, Sichtbarkeit und touristischer Entwicklung.

Zur zweiten Frage: Herr Kollege, lassen Sie mich hier klar sein: Die Regierung lässt die Vereine nicht allein – weder heute noch in Zukunft. Die Vernetzung nach außen schließt nicht die Arbeit nach innen aus. Wir haben in den vergangenen Jahren eine umfassende Unterstützungsstruktur aufgebaut, die bewusst dezentral und praxisnah gestaltet ist. Die Beratungsstelle Ehrenamt des Ministeriums arbeitet eng mit den Dachverbänden LOS für den Sport und Födekam für Musik und Chöre zusammen. Diese fungieren als erste Anlaufstellen für konkrete Fragestellungen im Vereinsalltag – von rechtlichen Fragen bis hin zur Organisation. Die Beratungsstelle Ehrenamt des Ministeriums arbeitet dabei nicht nur auf lokaler Ebene, sondern ist auch gezielt vernetzt – unter anderem mit dem Hohen Rat der Freiwilligen in Brüssel sowie mit Partnerstrukturen im Ausland, beispielsweise in der Schweiz. Diese Kontakte nutzen wir konkret, um bewährte Ansätze frühzeitig zu identifizieren, einzuordnen und – wo sinnvoll – in angepasster Form für unsere Vereine nutzbar zu machen.

Wir haben intensiv in digitale Hilfsmittel investiert. Die Plattform EMJA unterstützt generell Vereine aktiv bei der Suche nach Freiwilligen und bietet kostenlose Weiterbildungen an, darunter Resilienztrainings für Ehrenamtliche. Ergänzend stellen wir eine kostengünstige Verwaltungsratshaftpflichtversicherung zur Verfügung, die es Vereinen ermöglicht, ihre Verantwortungsträger finanziell abzusichern – zu Konditionen, die am Markt so nicht erreichbar wären.

Zur dritten Frage: Welche weiteren Maßnahmen plant die Regierung? Wie Sie wissen, und wie wir heute auch im weiteren Verlauf der Ausschusssitzung erfahren werden, führt die Regierung in diesem Jahr eine umfassende Sportentwicklungsstudie durch – umgesetzt durch das renommierte Institut für Sportstättenentwicklung (ISE) in Trier. Diese Studie bildet eine fundierte Entscheidungsgrundlage, um künftige Maßnahmen gezielt, bedarfsgerecht und nachhaltig auszurichten. Dabei ist mir wichtig zu betonen: Diese Studie fokussiert bewusst den Sportbereich, weil hier aktuell ein spezifischer Analysebedarf besteht.
Die grundlegenden Herausforderungen – etwa im Ehrenamt, in der Organisation oder in der Nachwuchsgewinnung – betreffen jedoch viele Vereinsbereiche gleichermaßen. Deshalb achten wir darauf, übertragbare Erkenntnisse auch für andere Vereinsstrukturen – insbesondere im Kultur- und Freizeitbereich – nutzbar zu machen und parallel weiterhin auf die bestehenden Unterstützungsinstrumente für alle Vereine zu setzen. Das Ziel ist klar: Internationale Impulse dürfen nicht abstrakt bleiben, sondern müssen strukturiert in konkrete Unterstüt-zung für unsere Vereine überführt werden. Genau daran arbeiten wir – mit einem klaren Fokus auf Umsetzbarkeit und Wirkung im Alltag der Vereine.
Und abschließend, Herr Kollege, erlauben Sie mir eine Bemerkung: Es ist durchaus bemerkenswert, dass diese Frage aus den Reihen der SP kommt – einer politischen Familie, die über viele Jahre hinweg gezeigt hat, wie wirkungsvoll internationale Vernetzung für eine kleine Gemeinschaft sein kann. Diese Stärke gehört zur DNA unserer Region. Ich sehe es als meine Aufgabe, diese Netzwerkarbeit fortzuführen – und sie konsequent mit konkretem Nutzen für unsere Vereine zu verbinden.

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