Mündliche Frage von Frau Mechthilde Neuens an Ministerin Klinkenberg
Zu Therapiemöglichkeiten für Krebskranke
Regierungskontrollsitzung des Ausschusses IV vom 12.02.2025
Am 4. Februar war Weltkrebstag. Mehrere Medien nutzten den Tag, um über Betroffene und Therapiemöglichkeiten zu berichten.
Der Umgang mit dem Thema hat viele Facetten. Neben der medizinischen Behandlung der Krankheit geht es auch um die soziale Umrahmung und die Begleitung der Betroffenen und deren Familien, sei es nach der Diagnose, der Therapie oder dem mal positiven, mal negativen Verlauf.
In diesem Zusammenhang ist es gut, dass es Organisationen und Angebote wie die Hilfe für Krebskranke im Süden oder die VoG Lichtblicke gibt. Letztere ist als Pilotprojekt gestartet und erhält seit Ende der letzten Legislaturperiode auch eine finanzielle Unterstützung seitens der DG. Solche Initiativen und weitere sind sehr wertvoll und müssen aus Sicht der SP-Fraktion trotz Sparmaßnahmen weiterhin gefördert werden.
Heute geht es mir weniger um das vor- und nachgeschaltete Angebot, sondern viel mehr um die Therapiemöglichkeiten.
Wir haben in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zwei Krankenhäuser mit einer gewissen Basisversorgung. Doch inwieweit betrifft diese Basisversorgung auch die adäquate Behandlung unterschiedlicher Krebsarten? Ist es nicht so, dass in den letzten Jahren immer größere Hürden aufgebaut wurden, die die Behandlung verschiedener Krebsarten in den ostbelgischen Krankenhäusern erschwert haben?
Immer wichtiger werden daher die Referenzzentren im Krankenhausnetzwerk. Für die Ostbelgier kann das mit längeren Fahrten und einer Behandlung in der Fremdsprache einhergehen. Sich in einem solch sensiblen Kontext nicht in seiner Muttersprache verständigen zu können (und das auch noch in einer fachspezifischen Sprache), wird für viele Menschen zur psychischen Belastung.
Als SP vertreten wir die Meinung, dass die deutsche Sprache keine Hürde beim Zugang zur medizinischen Versorgung sein darf. Deshalb haben wir beim Föderalstaat die Ostbelgien-Regelung durchgesetzt. Sie ermöglicht den vereinfachten Zugang zum medizinischen Angebot im benachbarten Deutschland. Dies gilt es zu sichern und auszubauen. Von daher sind wir der Meinung, dass innerhalb des Netzwerks CHC eine Behandlung entweder in deutscher Sprache durchgeführt werden muss oder aber mit Hilfe einer Übersetzung in Deutsch durch einen Dolmetscher, der dem Berufsgeheimnis unterliegt. Nur so gibt es eine Garantie, dass in diesem sensiblen Bereich klar und verständlich kommuniziert wird.
Daher meine Fragen an Sie, werte Ministerin:
- Wie ist die Position der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft in der Frage des Zugangs zum therapeutischen Angebot für Deutschsprachige?
- Welche Maßnahmen wird die Regierung der DG ergreifen, um innerhalb des Krankenhausnetzwerks die Interessen der ostbelgischen Patienten in dieser Frage durchzusetzen?
- Wäre die Regierung bereit, einen Dolmetscherdienst zu unterstützen für die ostbelgischen Patienten, die der französischen Sprache nicht mächtig sind?
Einschalten! Mechthildes Frage in der öffentlichen Sitzung von Ausschuss IV
Antwort der Ministerin:
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft setzt sich für eine qualitativ hochwertige onkologische Versorgung der Bürgerinnen und Bürger ein. Diese soll im Rahmen eines Netzwerkes mit unseren Partnerkrankenhäusern erfolgen, wobei ein besonderes Augenmerk da-rauf gelegt wird, dass die Gesundheitsversorgung in deutscher Sprache gewährleistet wird.
Die Einflussmöglichkeiten der Regierung in diesem Bereich sind jedoch begrenzt. So werden die Regeln und Mindeststandards für Referenzzentren auf föderaler Ebene festgelegt und orientieren sich an den neuesten wissenschaftlichen und ökonomischen Erkenntnissen. So wurde beispielsweise die Behandlung von Brustkrebs gemäß einer wissenschaftlichen Empfehlung des KCE (365B 2023) überarbeitet. Die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft kann in diesem Rahmen nur unterstützend tätig werden und sich auf föderaler Ebene für die Interessen der ostbelgischen Patienten einsetzen.
Die Einrichtung eines Dolmetscherdienstes für Patienten, die der französischen Sprache nicht mächtig sind, wäre mit erheblichen logistischen Herausforderungen verbunden. Insbesondere die Terminvergabe bei Fachärzten bietet in der Regel nur wenig Spielraum, um zusätzliche Dienstleistungen zeitlich zu koordinieren.
Dank moderner Technologien gibt es jedoch zunehmend Unterstützungsmöglichkeiten. Künstliche Intelligenz und fortschrittliche Übersetzungstools können in vielen Situationen wertvolle Hilfe leisten. Darüber hinaus gibt es in unserem Krankenhausnetzwerk bereits Bemühungen, die Behandlung in deutscher Sprache zu ermöglichen. So kommt es nicht selten vor, dass auf Initiative des Facharztes deutschsprachige Mitarbeiter des Krankenhauses hin-zugezogen werden, um die Verständigung zwischen Arzt und Patient zu erleichtern. Da eine funktionierende Kommunikation für den Therapieerfolg von zentraler Bedeutung ist, wird diesem Aspekt besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Es bleibt weiterhin unser Ziel, dass Behandlungen möglichst in deutscher Sprache erfolgen, um den betroffenen Patientinnen und Patienten den bestmöglichen Zugang zur medizinischen Versorgung zu ermöglichen.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.