Die SP Ostbelgien sieht nach den aktuellen PISA-Ergebnissen dringenden Handlungsbedarf in der Bildungspolitik der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Schülerinnen und Schüler Ostbelgiens schneiden in allen drei getesteten Bereichen deutlich schlechter ab als vor 20 Jahren und liegen damit nicht nur unter dem OECD-Durchschnitt, sondern bilden im innerbelgischen Vergleich auch das Schlusslicht.
Das ist kein Ausrutscher und auch kein Problem eines einzelnen Jahrgangs, lautet es in einer Pressemitteilung der SP Ostbelgien. Die Entwicklung zeigt über Jahre und über alle drei getesteten Kompetenzbereiche hinweg einen deutlichen Rückgang. Für die SP ist deshalb die Frage unausweichlich: Wie konnte es über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten zu einem derart bedenklichen Rückgang kommen?
Die ProDG hat das Unterrichtswesen in Ostbelgien über 20 Jahre maßgeblich mitgeprägt und politische Verantwortung getragen. Reformen wurden beschlossen, Konzepte entwickelt und Verbesserungen angekündigt.
„Am Ende muss sich Politik an ihren Ergebnissen messen lassen. Die heutigen Ergebnisse resultieren nicht erst aus den vergangenen zwei Jahren. Von 2004 bis 2024 folgte die Bildungspolitik ein und demselben parteipolitischen Faden. Und gerade in dieser Zeit sind Versäumnisse entstanden, die zum heutigen Ergebnis der PISA-Studie in Ostbelgien führen,“ so der SP-Abgeordnete Charles Servaty.
Um es auf den Punkt zu bringen, hilft eine einfache Rechnung: „Entweder, man misst den Rückgang: Die Schüler haben in diesen 20 Jahren 11,67 % Wissen in Mathe verloren. Oder aber man rechnet aus, wie viel mehr Wissen die Schüler vor 20 Jahre noch hatten. Diese Rechnung ergibt im Bereich Wissenschaften ein Plus von 7,72 % und in der Lesekompetenz +10,64 %. Die aktuellen Ergebnisse sind demnach ein deutlicher Einbruch und zwingen einen Kurswechsel auf!
Auch der Blick auf die Französische Gemeinschaft wirft Fragen auf, denn dort haben sich die Ergebnisse verbessert.
Für die SP steht die Möglichkeit zur Verbesserung deshalb außer Frage. Wenn ein Bildungssystem über Jahre schlechtere Ergebnisse hervorbringt, muss auch die Art und Weise, wie Schule organisiert und Unterricht gestaltet wird, auf den Prüfstand. Entscheidend darf nicht sein, ob eine Veränderung politisch bequem ist, sondern ob sie unseren Kindern bessere Bildungschancen bietet.
„Es reicht keineswegs, die Ergebnisse als besorgniserregend zu bezeichnen. Wir brauchen jetzt keine weitere Reform um der Reform willen. Wir brauchen viel mehr eine ehrliche Bilanz und konkrete Konsequenzen – für unsere Kinder“, so Servaty. „Wir können nicht noch weitere Jahre darauf warten, dass irgendwann etwas besser wird. Die PISA-Ergebnisse sind ein unüberhörbarer Auftrag zum Handeln. Wer sie einfach zur Kenntnis nimmt und weitermacht wie bisher, wird seiner Verantwortung nicht gerecht.“
