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Mehr Gleichberechtigung heißt nicht weniger für andere

Es ist wieder Juni. Der internationale Pride Month. Für viele vielleicht nur eine Randnotiz im Kalender oder ein paar Regenbogenflaggen auf den Straßen. Für andere bedeutet dieser Monat aber Sichtbarkeit, Schutz und Solidarität, in einem Alltag, der noch immer von Anfeindungen und Verurteilung geprägt ist.

Viele würden sagen: „Der ganze Rummel ist doch übertrieben. Heute darf doch jeder leben, wie er will.“ Doch die Realität zeigt, dass Akzeptanz und Gleichberechtigung noch längst nicht überall angekommen sind. Genau deshalb ist Pride auch 2026 weiterhin wichtig.

Begonnen hat alles 1969 in New York. 1969! Das ist mehr als ein halbes Jahrhundert her. Und trotzdem gibt es heute noch rund 60 bis 70 Länder, in denen Homosexualität illegal ist. In einigen droht Menschen dafür das Gefängnis und in manchen sogar die Todesstrafe.

Aber man muss gar nicht ans andere Ende der Welt schauen. Auch in Ostbelgien reicht oft schon ein Blick in Kommentarspalten, um zu sehen, wie viel Spott und Hass noch immer existieren. Menschen wird abgesprochen, so leben zu dürfen, wie sie sind. Sie werden beleidigt, lächerlich gemacht oder auf ihre Identität reduziert. Viele LGBTQ+-Menschen überlegen sich zweimal, ob sie offen sagen können, wen sie lieben oder wer sie sind, aus Angst. Und selbst dort, wo keine offene Feindseligkeit sichtbar wird, begegnet vielen noch immer unterschwellige Ablehnung: dumme Kommentare, abwertende Witze oder das Gefühl, sich erklären zu müssen, nur weil man nicht in ein vermeintliches „Normal“ passt.

Uns stört dabei besonders: Sobald es um Gleichberechtigung geht, tun manche so, als würde ihnen etwas weggenommen. Als wäre Akzeptanz ein Verlustgeschäft oder gleiche Rechte eine Bedrohung. Dabei fordert niemand Sonderrechte. Es geht schlicht darum, dass jeder Mensch frei und ohne Angst leben kann. Niemand verliert etwas dadurch, dass andere dieselben Rechte haben und ohne Vorurteile behandelt werden.

Wer also glaubt, dieser Kampf sei 2026 vorbei, lebt an der Realität vorbei. Für uns JUSOS ist klar: Vielfalt ist keine Bedrohung. Bedrohlich ist vielmehr, wie normal Menschenfeindlichkeit und Ausgrenzung geworden sind, vor allem online. Eine offene Gesellschaft sollte auf Respekt und Zusammenhalt setzen. Am Ende geht es doch genau darum: zu akzeptieren, dass Menschen unterschiedlich sind. Oder, wie der Comedian Teddy Teclebrhan es auf den Punkt bringt: „Mein Normal ist mein Normal. Dein Normal ist dein Normal. Und wenn wir das akzeptieren, dann sind wir alle normal.“

Für die Jusos Ostbelgien
Alicia Becker & Sarah Schröder